Von: Tom Kralidis (Environment and Climate Change Canada), Jeremy Tandy (UK Met Office), Enrico Fucile (WMO) und Rémy Giraud (Météo-France)
Wenn eine Hitzewelle oder Überschwemmungen Leben bedrohen, zählt jede Sekunde und jedes Byte an Daten. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO), eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, trägt dazu bei, dass Länder weltweit schneller und einfacher auf wichtige Wetter-, Klima- und Wasserdaten zugreifen können. WMO-Informationssystem (WIS) 2.0.
Warum es wichtig ist
Extreme Wetterereignisse treten immer häufiger und heftiger auf – und das Zeitfenster zum Handeln wird immer kleiner. Ob Hitzewelle, Wirbelsturm oder Sturzflut: Der Unterschied zwischen zeitnahen Daten und einer verspäteten Vorhersage kann den Unterschied zwischen Sicherheit und Katastrophe ausmachen.
„Mit WIS 2.0 und den OGC-Standards war es noch nie so einfach, globale Wetter-, Klima- und Wasserdaten zu entdecken, darauf zuzugreifen und sie zu nutzen.“
Tom Kralidis
Umwelt und Klimawandel Kanada
WIS 2.0 beschleunigt den Fluss zuverlässiger, umsetzbarer Informationen zwischen Ländern, Behörden und Gemeinden. Daten sind leichter zu finden, einfacher zu nutzen und in Echtzeit verfügbar – nicht nur für Meteorologen, sondern auch für Notfallmanager, Planer, Beamte des öffentlichen Gesundheitswesens und Innovatoren auf der ganzen Welt.
Durch die Kombination offener Standards, moderner Webtechnologie und globaler Zusammenarbeit verwandelt WIS 2.0 Wetter-, Wasser- und Klimadaten in ein echtes lebensrettendes Gut – und gibt der Welt eine bessere Chance, sich vorzubereiten, zu reagieren und sich zu erholen.
Barrieren für den globalen Datenaustausch überwinden
Als moderner Nachfolger der Altsysteme der WMO stellt WIS 2.0 einen transformativen Schritt in Richtung eines offenen, zeitnahen und interoperablen Datenaustauschs auf globaler Ebene dar.
Die Bemühungen spiegeln die Kraft nachhaltiger Zusammenarbeit wider – WIS 2.0 ist ein direktes Ergebnis der laufenden Partnerschaft zwischen WMO und OGC, die durch ein 2009 unterzeichnetes Memorandum of Understanding formalisiert wurde. Das MOU hat eine entscheidende Rolle bei der Anpassung globaler Standards an die operativen meteorologischen Anforderungen gespielt.
Jahrzehntelang bildete das Globale Telekommunikationssystem (GTS) der WMO das Rückgrat für den internationalen Wetter- und Datenaustausch. Doch angesichts explodierender Datenmengen – die durch hochauflösende Modellierung, Satelliten, Dualpolarisationsradar und Hochfrequenzbeobachtungen entstehen – und der heutigen Internet-Konnektivität reichte das GTS nicht mehr aus.
Zwei wichtige politische Meilensteine ebneten den Weg für diesen Wandel: die Einheitliche Datenrichtlinie der WMO, die die Mitglieder dazu verpflichtete, Kerndaten des Erdsystems offen zu teilen, und die Globales Basisbeobachtungsnetzwerk (GBON), die eine konsistente, globale Beobachtungsabdeckung vorschrieb. Diese Reformen legten den Schwerpunkt auf Transparenz, Zugänglichkeit und Gleichberechtigung beim Datenaustausch und legten damit den Grundstein für WIS 2.0.
WIS 2.0: Modernisiert, offen und Cloud-fähig
WIS 1 wird am 2025. Januar 2.0 eingeführt und revolutioniert die Art und Weise, wie 193 WMO-Mitgliedsstaaten und -Territorien Daten zum Erdsystem austauschen.
Erbaut auf OGC-Standards und moderne WebprotokolleWIS 2.0 bietet eine Cloud-fähige Architektur mit niedrigen Barrieren, die:
- Offen durch Design – unter Verwendung weit verbreiteter OGC-APIs und -Formate wie GeoJSON, NetCDF und WaterML.
- Ereignisgesteuert – Bereitstellung von Echtzeit-Updates über das leichte MQTT-Protokoll.
- Einfach zu implementieren – mit Open-Source-Software wie WIS2 in einer Box.
- Auffindbar und interoperabel – über OGC API – Datensätze und das WMO Core Metadata Profile.
Seine „Clean Break“-Architektur ersetzt veraltete Systeme durch ein modulares Design:
- WIS2-Knoten zur Datenveröffentlichung.
- A Global Discovery Katalog für die Metadatensuche.
- A Globaler Broker für Echtzeitbenachrichtigungen.
- A Globaler Cache zur Datenlieferung.
- A Globaler Monitor für die Systemleistung.
Jede Komponente verwendet offene Protokolle und APIs, sodass WIS 2.0 mit gängigen Branchentools zugänglich ist – auch ohne umfassende meteorologische Fachkenntnisse.
Auswirkungen in der Praxis: Schnellerer Zugriff, bessere Prognosen
WIS 2.0 umfasst bereits mehr als 80 WIS2-Knoten Hunderte von Datensätzen werden gemeinsam genutzt und täglich Millionen von Datengranulaten veröffentlicht. Open-Source-Tools ermöglichen jedem Land, sich anzuschließen, selbst mit begrenzten Ressourcen.
Diese Fähigkeiten führen zu schnellere, genauere Prognosen und eine bessere Vorbereitung auf Extremereignisse wie Wirbelstürme, Dürren, Waldbrände und Hitzewellen. Die Vorteile gehen weit über die Meteorologie hinaus – von GIS-Analysten über Katastrophenmanager bis hin zu Stadtplanern.
Weiter denken
Angesichts der zunehmenden Klimarisiken steigt die Nachfrage nach offene, schnelle und zuverlässige Daten wird nur wachsen. WIS 2.0 ist bereits ein Eckpfeiler von Initiativen wie Frühwarnungen für alle, und unterstützt sowohl operative Entscheidungen als auch die langfristige Klimaforschung.
Durch 2030, 90 % der WMO-Mitglieder Es wird erwartet, dass die Umstellung von GTS auf WIS 2.0 erfolgt. Im Zuge dessen verfeinern WMO und OGC die Standards für die Abfrage von Umweltdaten (OGC API – Environmental Data Retrieval), Prozessausführung (OGC API – Processes) und konsistente Visualisierung (OGC API – Maps). Sie entwickeln außerdem ereignisgesteuerte Architekturen durch OGC API – Pub/Sub weiter.
Bei dieser Zusammenarbeit geht es nicht nur um Technologie – es geht um Leben retten, Lebensgrundlagen schützen und wissenschaftlich fundierte Entscheidungsfindung für alle zugänglich machen.
WIS 2.0 ist öffentlich zugänglich. Die im Rahmen der Unified Data Policy der WMO als „Kerndaten“ bezeichneten Daten sind kostenlos und uneingeschränkt zugänglich. Weitere Informationen finden Sie unter WMO WIS2-Implementierung.