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Vom Mathematikstudenten, der eher zufällig in die Geoinformatik geriet, bis zum Leiter der nationalen Kartierungsbehörde der Elfenbeinküste: Fernand Bales Karriere ist geprägt von Neugier, Teamgeist und der Überzeugung, dass Geoinformationen das Leben verbessern können. Heute, als Direktor des CIGN innerhalb des BNETD und ehemaliger Co-Vorsitzender des UN-GGIM-Expertenkomitees, steht er im Zentrum einer sich rasant entwickelnden Geoinformatiklandschaft – einer Landschaft, in der Standards, Datensouveränität und digitale Innovationen die Art und Weise verändern, wie Staaten planen, bauen und regieren.

In diesem Gespräch reflektiert Bale über seinen Werdegang, die wachsende Bedeutung der Geodateninfrastruktur für die Entwicklung Afrikas und darüber, wie Partnerschaften mit Organisationen wie OGC dazu beitragen, die Fähigkeiten, den Zugang und die globale Ausrichtung zu beschleunigen.

Ihre Karriere hat sich innerhalb von Vom Bureau National d'Études Techniques et de Développement (BNETD) bis zu Ihrer jetzigen Position am Centre d'Information Géographique et du Numérique (CIGN). Wie kam es, dass die Geowissenschaften Teil Ihres Werdegangs wurden, und was hat Sie über die Jahre hinweg in diesem Bereich engagiert gehalten?

Ich habe einen mathematischen Hintergrund und bin eher zufällig in den Bereich der Geodaten geraten, als ich an der École Nationale des Sciences Géographiques (ENSG) in Paris zugelassen wurde. Doch nachdem ich die Möglichkeiten von Geodaten und -diensten entdeckt hatte, war ich völlig begeistert.

Am meisten geprägt hat mich die Erkenntnis, dass Geodaten weit mehr sind als nur Karten und Koordinaten – es geht darum, mit Menschen in Kontakt zu treten und gemeinsam an Lösungen für reale Probleme zu arbeiten, die etwas bewirken und eine nachhaltige Entwicklung fördern. Dieser menschliche Aspekt, dieser Geist der Zusammenarbeit, war die treibende Kraft meiner gesamten Laufbahn bei BNETD.

Von meiner Tätigkeit als Forschungsanalystin bis hin zur Leitung der nationalen Kartierungsbehörde der Elfenbeinküste habe ich Folgendes gelernt: Führung in diesem Bereich bedeutet, sowohl zuzuhören als auch Verbindungen herzustellen.Es geht darum, unterschiedliche Stimmen und Prioritäten zu berücksichtigen und Menschen, Ideen und Initiativen zusammenzubringen, damit wir gemeinsam vorankommen können.

Sie wurden kürzlich zum Co-Vorsitzenden des UN-GGIM-Expertenkomitees gewählt. Was bedeutete Ihnen diese Rolle, und welche wichtigen Erfolge konnten Sie während Ihrer Amtszeit erzielen?

Bis zum vergangenen August als Co-Vorsitzender des UN-GGIM-Expertenkomitees tätig zu sein, war sowohl eine große Ehre als auch eine große Verantwortung.

Während dieser Zeit war ich besonders stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben: die erfolgreiche Organisation des 7. Hochrangigen Forums zum globalen Geoinformationsmanagement in Mexiko, die Gründung des Kompetenzzentrums für Geodäsie in Bonn und des Kompetenzzentrums für Innovation und Wissen in China sowie die Fortschritte, die wir beim Aufbau des kommenden Kompetenzzentrums in Riad erzielt haben.

Jeder dieser Meilensteine ​​zeugt von unserem gemeinsamen Engagement und der wachsenden Stärke der UN-GGIM-Gemeinschaft.

Ich engagiere mich weiterhin im Komitee, nun als Co-Vorsitzender des Unterausschusses für Geodäsie. Unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass nationale Kartierungsbehörden und die gesamte geodätische Gemeinschaft – einschließlich Forschungsinstitute und Berufsverbände – eng zusammenarbeiten, um ein hochwertiges und nachhaltiges globales geodätisches Referenzsystem zu erhalten, das für eine fundierte Politik und effektive Entscheidungsfindung unerlässlich ist.

Wenn Sie die Elfenbeinküste heute betrachten, welche Herausforderungen und Chancen sehen Sie im Bereich der Geodaten für das Land?

Unsere Die größte Herausforderung ist gleichzeitig unsere größte Chance: die rasante Urbanisierung und Entwicklung. Die Elfenbeinküste ist ein riesiges Land mit enormen Bedürfnissen, doch Städte wie Abidjan werden voraussichtlich in den nächsten 20 Jahren um das Fünffache wachsen. Dies stellt uns vor immense Herausforderungen in den Bereichen Verkehr, Dienstleistungen, soziale Ungleichheit, Umweltresilienz und Stadtplanung.

Unsere zentrale Herausforderung besteht darin, aktuellere, benutzerfreundlichere und deutlich leichter zugängliche geografische Informationen für ein breiteres Publikum bereitzustellen. Wir benötigen hochwertige, aktuelle, lokale Kartendaten – und zwar sofort.

Die Chancen sind jedoch ebenso bedeutend. Wir arbeiten an mehreren Fronten: Wir verwalten unser nationales geodätisches Netzwerk und integrieren es in das afrikanische geodätische Referenzsystem, erstellen aktualisierte Landnutzungs- und Landbedeckungskarten zur Unterstützung von Umweltrichtlinien und zur Einhaltung der EU-Entwaldungsverordnung, unterstützen die Vergabe von Landtiteln im ländlichen Raum und nutzen Erdbeobachtungssatelliten, um Hochwasserrisiken in Abidjan zu kartieren und Frühwarnsysteme zu stärken.

Durch Initiativen wie BNETD Studio integrieren wir BIM (Building Information Modeling), GIS (Geografische Informationssysteme), Drohnen und kollaborative Plattformen, um öffentliche Dienstleistungen zu modernisieren und die Elfenbeinküste als Vorreiter der digitalen Transformation in Afrika zu positionieren. Ein weiteres wichtiges Ziel ist der Ausbau der technischen Kompetenzen unserer Geodatenexperten.

Was hat Sie dazu bewogen, OGC beizutreten, und was erhoffen Sie sich von dieser Mitgliedschaft für Ihre Arbeit und für die Elfenbeinküste?

Unser CEO, M. Kinapara Coulibaly, brachte es letztes Jahr bei den Innovation Days in Washington DC am besten auf den Punkt: „Die Mitgliedschaft von BNETD im Open Geospatial Consortium ist ein strategischer Schritt, der unsere technischen Kapazitäten erheblich stärkt und unseren Einfluss in der westafrikanischen Region und darüber hinaus ausbaut.“

Diese Mitgliedschaft stärkt zudem die Position von BNETD als wichtiger Motor des technologischen Fortschritts und des Kapazitätsaufbaus und vertieft gleichzeitig unser Engagement in der internationalen Zusammenarbeit.

Und mit einem Sitz im Exekutivplanungsausschuss des OGC haben wir nun ein direktes Mitspracherecht bei der Gestaltung globaler Geodatenstandards – und stellen sicher, dass die Prioritäten und Realitäten der Entwicklungsländer und insbesondere Afrikas angemessen berücksichtigt werden.

Und über die Elfenbeinküste hinaus stellt sich die Frage, wie globale Zusammenarbeit die Region unterstützen kann. Wie können OGC und seine globale Gemeinschaft Ihrer Ansicht nach die Geodatenentwicklung in der Elfenbeinküste und der gesamten Region am besten fördern?

Ich bin überzeugt, dass OGC und seine globale Gemeinschaft die Geodatenentwicklung in der Elfenbeinküste und der gesamten Region am besten durch mehrere Schlüsselbereiche unterstützen können – vor allem aber durch den Aufbau von Kapazitäten.

Das OGC kann den Wissenstransfer erleichtern und technische Schulungsmöglichkeiten bieten, insbesondere bei der Umsetzung internationaler Standards und neuer Technologien.

Wir würden uns freuen, künftig Sprintkurse oder ein frankophones Forum in Abidjan auszurichten, um diese Lernmöglichkeiten den Praktikern in der Region näherzubringen.

Gibt es in der Elfenbeinküste eine Initiative oder ein Projekt, bei dem Geodaten bereits einen messbaren Unterschied bewirkt haben?

Ja. Ein gutes Beispiel dafür ist die Nationale Landnutzungs- und Landbedeckungskarte 2020, erstellt aus Sentinel-2-Bildern in Zusammenarbeit mit der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) der Europäischen Kommission und dem Europäischen Forstinstitut (EFI). Es ist heute eines der am weitesten verbreiteten Geodatenprodukte öffentlicher Einrichtungen.

Diese Karte enthält:

  • Genaue Messungen der Entwaldung wurden geliefert, wodurch die nationalen Waldschutzrichtlinien direkt unterstützt werden.
  • Die Vorbereitungen der Elfenbeinküste auf die Entwaldungsverordnung der Europäischen Union (EUDR) wurden verbessert durch die Ermöglichung einer detaillierten Überwachung der Waldbedeckung, der Landnutzungsänderungen und der Rückverfolgbarkeitsanforderungen für wichtige Exportsektoren wie Kakao.
  • Stärkung der territorialen Verwaltung indem den Ministerien ein gemeinsamer, verlässlicher Referenzdatensatz zur Verfügung gestellt wird, um die Dynamik der Landnutzung zu verfolgen.

Es ist ein konkretes Beispiel dafür, wie Geodaten zu besseren Entscheidungen beitragen, die Koordination verbessern und eine evidenzbasierte Politik unterstützen. Es ist außerdem frei verfügbar unter: https://developers.google.com/earth-engine/datasets/catalog/BNETD_land_cover_v1

Das ist ein hervorragendes Beispiel. Welche Fortschritte erhoffen Sie sich für die Elfenbeinküste in den nächsten fünf Jahren im Bereich ihres nationalen Geodaten-Ökosystems?

Der bedeutendste Meilenstein wäre der vollständige Implementierung des integrierten Geoinformationsrahmens (IGIF) und dem dazugehörigen nationalen Aktionsplan, der bereits in Arbeit ist.

In der Praxis würde dies Folgendes beinhalten:

  • Ein gut koordiniertes nationales Geodaten-Ökosystem mit klarer Führung und starker Zusammenarbeit zwischen den Ministerien.
  • Modernisierte Kerninfrastruktureinschließlich eines verbesserten geodätischen Bezugssystems, interoperabler Webdienste und eines souveränen Hostings für strategische Geodaten.
  • Eine stabile Datenaustausch- und Zugriffsrichtlinie Doppelarbeit vermeiden, Kosten senken und Innovationen ermöglichen.
  • Systematische Integration von Geodaten in die öffentliche Politik, insbesondere für Klimaschutzmaßnahmen, Katastrophenrisikomanagement und Landnutzungsplanung.
  • Ein nachhaltiges ModellDadurch wird die regelmäßige Aktualisierung wichtiger Datensätze sichergestellt und die Überwachung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) mit verlässlichen Indikatoren unterstützt.

Kurz gesagt, sollte die Elfenbeinküste innerhalb von fünf Jahren den IGIF als Rückgrat ihrer Agenda für nachhaltige Entwicklung positionieren – voll funktionsfähig, koordiniert und mit Mehrwert für das Land.

Und schließlich: Was motiviert Sie in diesem Bereich, der Technologie, Politik und internationale Zusammenarbeit vereint? Wir würden gerne erfahren, wie Ihre Arbeit und Ihre Zusammenarbeit mit OGC Ihrer Meinung nach konkret das Leben der Gemeinschaften vor Ort positiv beeinflussen.

Was mich wirklich antreibt, ist das Wissen, dass unsere Arbeit im Bereich des Geoinformationsmanagements Millionen von Menschen direkt betrifft.

Ob wir einer Mutter helfen, den sichersten Weg für ihr Kind zur Schule zu finden, Landwirte bei der Anwendung nachhaltigerer Anbaumethoden unterstützen oder Stadtplanern ermöglichen, widerstandsfähigere Gemeinschaften zu gestalten – was wir tun, hat eine reale, menschliche Wirkung.

Die kollaborative Seite dieser Arbeit ist ebenso inspirierend. Die Partnerschaft mit Organisationen wie OGC verbindet uns mit einer globalen Gemeinschaft, die gemeinsame Ziele verfolgt, und stellt gleichzeitig sicher, dass Entwicklungsländer bei der Gestaltung der Zukunft der Geodaten-Technologie ein starkes Mitspracherecht haben.

Unsere Zusammenarbeit mit Public Land and Climate Equity (PLACE) ist ein weiteres hervorragendes Beispiel dafür, wie internationale Kooperation lokale Kapazitäten aufbauen, die Datensouveränität wahren und neue Möglichkeiten für junge Menschen eröffnen kann.

Das ist es, was mich jeden Morgen antreibt: die Überzeugung, dass das, was wir heute aufbauen, morgen das Leben der Menschen in ganz Afrika – und weit darüber hinaus – verbessern wird.

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